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Mit Skalpell und Hobel in Togo aktiv: Pfälzer Togofreunde leisten Hilfe zur Selbsthilfe

Tatkräftige Entwicklungshilfe leisten die „Togofreunde Jockgrim“ seit vielen Jahren. Gerade feierte der Verein sein zehnjähriges Bestehen und schon wieder sind die Pfälzer unterwegs, mit allerlei Nützlichem und gehörigem Engagement für die Menschen in der ehemals deutschen Kolonie.

„Komm doch nach Togo, hat mein Schwager damals gesagt“, erinnert sich Emil Hemmer Der heute 80-Jährige ist Patientenfürsprecher am Städtischen Krankenhaus in Pirmasens. Der „Schwager“, das war Pfarrer Franz Krob. Mitte der 1970er Jahre unterstützte Pfarrer Krob, der in Arbeiterbildungsstätte in Jockgrim leitete, Pfälzer Priester, die an der Küste von Togo eine Pfarrei betreuten. Von dort ergaben sich Kontakte in das Landesinnere, unter anderem nach Gbalavé. Das 2.000-Seelen-Dorf, das rund 120 Kilometer von der togolesischen Hauptstadt Lomé entfernt liegt, ist die Heimat von Dr. Samuel Husunu, einem Togolesen, der seit 30 Jahren in Jockrim lebt.

„Noch in den 1980er Jahren gab es in Gbalavé nichts“, erinnert sich Emil Hemmer, der den Ort 1985 gemeinsam mit Dr. Husunu und einer Delegation besucht hatte. Aber Emil Hemmer ist ein Mann, der die Ärmel hochkrempelt. Und da es, nach bundesdeutschen Maßstäben, eigentlich schon 1980 Zeit gewesen wäre, den Hobel aus der Hand zu legen und die Rente zu genießen, belud der gelernte Schreiner einen Container mit den Werkzeugen seiner ehemaligen Werkstatt und fuhr nach Togo, denn: „Eine Schreinerei war genau das, was den Menschen in Gbalavé fehlte.“

„Nach der Schreinerei haben wir eine Sozial- und Krankenstation gebaut“, erzählt Hemmer. Weil aber so große Begeisterung ansteckt, fanden sich in der gesamten Pfalz weitere Interessenten, die mit Rat, Tat und gesammelten Spenden zupackten, wo tätige Hilfe gefragt war. Federführend seither sind Emil Hemmer, heute stellvertretender Vorsitzender der Togofreunde, der erste Vorsitzende des Vereins, Schulrektor Siegbert Kemmer, und Dr. Samuel Husunu.

Siegbert Kemmer: „Seit 1984 fliegt jedes Jahr eine Delegation des Vereines nach Togo, um zu sehen, wie sich unsere Projekte entwickeln.“ „Unsere Projekte“, das sind neben der Schreinerei und der Sozialstation mit Entbindungsabteilung, auch Toilettenanlagen, Brunnen für die Trinkwasserversorgung, ein Lehrgarten und Bildungs- und Schulprojekte, darunter sogar ein EDV-Zentrum in der benachbarten Stadt Kpalimé.

„All das geht natürlich nicht, ohne einen breiten Rückhalt bei den Menschen zu Hause“, sagt Emil Hemmer, der auch über die Grenzen der Region hinaus unterwegs ist, um Sach- und Geldspenden für Gbalavé zu organisieren. Zu denen, die sich seit Jahren darum bemühen, die Arbeit der Togofreunde zu erleichtern, gehört der zuständige Honorarkonsul, Dipl.-Ing. Helmut Fohs in Deidesheim. „Wir stehen in einem regen Austausch“, bestätigt Fohs, der vor allem das, im Zuge der Weltmeisterschaft wieder erwachte, Interesse der Deutschen an Togo nutzt, um auf die Situation der Menschen in der ehemaligen „Vorzeige-Kolonie“ hinzuweisen. Der Konsul erklärt: „Die Haupt-Einahmequelle des Landes ist der Tiefseehafen von Lomé, über den der westliche Teil Afrikas mit Importwaren versorgt wird.“ Und obwohl sich die togolesische Regierung um den Ausbau der Infrastruktur des Landes bemüht, sind von den insgesamt 7.250 Kilometern des togolesische Straßennetzes nur rund 2.400 Kilometer ausgebaut und ganzjährig befahrbar.

„Togo braucht viele Freunde“, sagt Emil Hemmer. Und so hatte der Patientenfürsprecher auch im Städtischen Krankenhaus Pirmasens für die Idee der Togofreunde geworben. „Bei der Geschäftsleitung bin vom ersten Tag an auf offene Ohren gestoßen“, freut sich der Hemmer. Seit sieben Jahren wandern medizinische Geräte und Ausrüstungsgegenstände, die von den rasch wechselnden Vorschriften im deutschen Gesundheitswesen überholt werden, „beinahe automatisch“ in einen Kellerraum des Krankenhauses, wo sie auf den nächsten Container-Transport der Togofreunde warten.

„Aktuell haben wir mehrere Kartons mit OP-Bekleidung und neue Blutdruckmessgeräte zur Verfügung gestellt“, sagt Krankenhaus-Geschäftsführer Martin Forster und ist überzeugt: „Der Optimismus und der große persönliche Einsatz von Herrn Hemmer führen dazu, dass man einfach mithelfen muss!“ „Vor allem die grünen Arztkittel und -hosen werden in Gbalavé sehnlich erwartet“, bestätigt Erich Hemmer. Das medizinische Personal der Sozialstation arbeitet beinahe rund um die Uhr. Die professionelle OP-Kleidung als Deutschland sei mehr als nur eine nette Geste. „Die Togolesen sehen diese Art Sachspenden als eine Bestätigung und weitern Ansporn“, sagt Emil Hemmer. Wer helfen möchte, unterstützt den Verein der Togofreunde mit einer Spende auf das Konto:

Verein der Togofreunde
Sparkasse Germersheim-Kandel
BLZ 548 514 40, Konto 6004238.

Weitere Informationen gibt es beim
Verein der Togofreunde e.V.
c/o Siegbert Kemmer
Ziegelbergstraße 31
76751 Jockgrim

Bearbeitet von: Cornelius Bischoff  -  Quelle: Das Textbüro - Red. Landschau
 


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