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Pirmasenser Psychiatrie präsentiert Demenz-Leitfaden mit Vorbildcharakter

"Du hast meinen Geldbeutel gestohlen", sagt die alte Frau. Ihre Tochter, die die betagte Mutter pflegt, ist hilflos. Immer häufiger vergisst die alte Dame, wo sie Schlüssel, Schmuckstücke, Kämme und Bürsten hingelegt hat. Dann beschuldigt sie meist ihre Tochter. "Ein stark nachlassendes Kurzzeitgedächtnis und zunehmende Orientierungslosigkeit sind erste Zeichen einer Demenz, dem fortschreitenden Verlust der Geisteskraft", sagt Dr. med. Thomas Betz. Im Städtischen Krankenhaus Pirmasens hat der leitende Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie einen Leitfaden für das Erkennen der Krankheit und den Umgang mit dementen Patienten erarbeitet. Dieser soll Ärzten und Pflegepersonal helfen, auch leichte Anzeichen einer Demenz zu erkennen, um ihre Behandlung auf dieses besondere Krankheitsbild abstimmen zu können.

"Rund zehn Prozent aller über 65-Jährigen leiden unter einem Nachlassen ihrer geistigen Fähigkeiten, bei den über 90-Jährigen sind es etwa 40 Prozent", rechnet Dr. Betz. Weil aber immer mehr Menschen immer älter werden, ist es eine Frage der Zeit, bis Demenzkranke zu den alltäglichen Patienten in jeder Arztpraxis gehören. Aktuell gibt es in Deutschland etwa eine Million dementer Senioren, in den nächsten Jahrzehnten wird sich die Zahl dieser Patienten verdoppeln, schätzen Fachleute.

"Es ist notwendig, dass sich niedergelassene Ärzte, Fachmediziner und die Mitarbeiter von Krankenhäusern verstärkt auf dieses Thema vorbereiten", sagt Dr. Betz. Schließlich seien Ärzte und Pfleger in erster Linie auf die Aussagen ihrer Patienten angewiesen, wenn es darum geht, festzustellen, wo die Wurzel eines aktuellen Unwohlseins steckt. Das aber ist schwierig, wenn die Geisteskraft des Patient Schwankungen unterworfen ist und die Angabe, wo ein akuter Schmerz herrührt ohne greifbare Begründung gegeben wird.

Eine zusätzliche Hürde für die sichere Diagnose der Mediziner ist, dass der Oberbegriff "Demenz" Krankheiten mit verschiedenen Ursachen bezeichnet. Dr. Betz: "Etwa 70 Prozent der dementen Patienten leiden an den Folgen der "Alzheimer-Demenz", bei der Ablagerungen im Großhirn mit für den schleichenden Verfall der Hirnmasse verantwortlich sind." Eine so genannte Vaskuläre Demenz ist die Folge von Durchblutungsstörungen im Gehirn. In solchen Fällen werden unter anderen die Hirnregionen für Sprache, Gedächtnis und Lernfähigkeit nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und die damit verbundenen Fähigkeiten lassen nach. Diese Form der Krankheit trifft etwa 20 Prozent der Demenzkranken. Weitere zehn Prozent sind aus anderen Gründen dement, etwa als Folge von Hirnverletzungen oder anderen organischen Krankheiten.

"Die Statistik belegt, dass nur rund 20 Prozent der Demenz-Patienten in Deutschland eine angemessene Therapie bekommen", sagt Dr. Betz. Das Nachlassen der geistigen Fähigkeiten wird von Betroffenen und Angehörigen häufig als ein normales Zeichen des Alterungsprozesses gesehen. Zudem sei das Wissen über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten noch nicht ausreichend verbreitet. Mit ihrer Leitlinie zu Diagnose und Therapie will die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Städtischen Krankenhaus Pirmasens dazu beitragen diese Lücke zu schließen.

"Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, um Ursachen zu klären und eine gezielte Behandlung zu beginnen", erklärt Dr. Betz, schließlich steckt nicht hinter jedem Nachlassen der geistigen Fähigkeiten eine beginnende Demenz. Nach Auskunft des Facharztes sind die Ursachen vielfältig: Vergiftungen, Störungen im Stoffwechsel oder andere psychiatrische Krankheiten, beispielsweise Depressionen, seien von einer Demenz abzugrenzen. Eine Hilfe bei der Diagnose bieten psychologische Testverfahren (Demenztests), begleitend sollten auch die Blutwerte überprüft werden, um organische Fehlfunktionen oder Drogen- und Medikamentenmissbrauch auszuschließen, rät Dr. Betz. Im Verdachtsfall können Bilder aus dem Computertomografen helfen, Veränderungen am Gehirn feststellen, sonografischen Methoden tragen dazu bei, die Durchblutung des Gehirns zu prüfen.

Stehen die Ursachen eines auffälligen Verhaltens älterer Patienten fest, setzen die therapeutischen Möglichkeiten auf verschiedenen Ebenen an: Im Anfangsstadium der Alzheimer-Demenz können Medikamente den Stoffwechsel der Signalstoffe im Gehirn positiv beeinflussen. Im Falle einer Vaskulären Demenz können spezielle Wirkstoffe dazu beitragen, die Versorgung der betroffenen Hirnregionen zu verbessern. Gestützt werden sollte die medikamentöse Behandlung auch durch begleitende Therapieformen. Dr. Betz: "Die psychologische Verhaltenstherapie stützt sich auf konkrete Aufgaben aus dem Bereich der Alltagsbewältigung." Ähnliche Ziele - auf breiterer Basis - verfolgt die Behandlung durch Ergotherapeuten, deren Übungen die Handlungsfähigkeit im Alltag erhalten helfen. Weil das körperliche Wohlbefinden bei Demenzkranken oft durch Fehlhaltungen und krankhafte Bewegungsmuster eingeschränkt ist, tragen auch Physiotherapeuten zu dem Behandlungsspektrum dementer Menschen am Städtischen Krankenhaus in Pirmasens bei.

Ein wesentlicher Punkt bei der Versorgung von Demenzpatienten ist es in jedem Fall, die Erkrankten im Alltag nicht zu überfordern und dadurch zu frustrieren, sagt Dr. Betz. Dies gelte vor allem bei der Pflege durch Angehörige, die in vielen Fällen unter den Krankheits-Symptomen "ihrer" Patienten leiden. Wichtig sei es auch, den Patienten das Gefühl zu geben, dass man ihre Anliegen und Bedürfnisse ernst nimmt. Erfahrungen an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Städtischen Krankenhaus Pirmasens bestätigen, dass einfache Körpersignale, wie Freude, Wut oder Trauer im Gesicht des Gegenübers auch von Patienten mit einer fortgeschrittenen Demenz registriert und wahrgenommen werden.

"Die Pflege und Betreuung von demenzkranken Menschen stellen Angehörige vor eine gewaltige Herausforderung", sagt Dr. Betz. In einer Angehörigengruppe steht Dr. Betz jeden ersten Montag des Monats ab 17:30 Uhr in den Räumen der Tagesklinik zur Verfügung, um Fragen rund um das Thema "Demenz" zu beantworten. Angehörige von psychisch kranken Menschen, die nicht unter einer Demenz leiden, sehen sich in einer Selbsthilfegruppe an jedem zweiten Dienstag im Monat ab 18:00. . Wer mehr wissen möchte bekommt weitere Informationen auf den Internetseiten des Städtischen Krankenhauses Pirmasens, die Webadresse lautet: www.KH-Pirmasens.de

Bearbeitet von: Cornelius Bischoff  -  Quelle: Das Textbüro - Red. Landschau
 


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