| *** Aktuelle Nachrichten aus dem DIAKOnetz *** | Weltmeisterschaft 2006: Togo-Kicker blicken auf knappes Jahrhundert Sport-Tradition „Hier herrscht der Ausnahmezustand“, sagt Helmut Fohs. Als Honorarkonsul der Republik Togo ist der 67-Jährige Ansprechpartner für rund 3.000 Togolesen, die eine zweite Heimat in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen gefunden haben. Seit fest steht, dass das westafrikanische Land an der Fußballweltmeisterschaft 2006 teilnimmt, stehen die Telefone auf dem Schreibtisch des Honorarkonsulats im pfälzischen Deidesheim nicht still: „Zum ersten Mal in der bald 100-jährigen Geschichte des togolesischen Fußballs sind unsere Kicker bei einer Weltmeisterschaft dabei“, freut sich Fohs. Dass dieses „Wunder von Lomé“ die togolesische Nationalmannschaft ausgerechnet nach Deutschland verschlagen hat ist von besonderem Reiz, denn am 2. Juni 1907, der Geburtsstunde des togolesischen Fußballs, war Lomé noch die Hauptstadt der deutschen Kolonie Togo.
„Concordia“, so der Name der ersten Kickervereinigung in Deutschlands Vorzeigekolonie, war mit Bedacht gewählt, erzählt Fohs, denn das deutsche Wort „Eintracht“ war für die überwiegend englisch oder französisch sprechenden Togolesen nur schwer auszusprechen. Hinzu kam eine politische Erwägung, die bei der Namensgebung Pate gestanden hatte. Helmut Fohs: „Die deutsche Verwaltung hatte 1905 den Gebrauch der englischen Sprache verboten. ‚Concordia’, die lateinische Entsprechung des Wortes ‚Eintracht’, war durch und durch unverdächtig, zumal hunderte von Männergesangvereinen in der fernen Heimat denselben Namen trugen.“
Als ersten Vorstand ihrer neu gegründeten „Eintracht“ wählte die Togo-Elf den Häuptlingssohn Andreas Boevi Lawson, der aus einer einflussreichen Familie stammte, deren Wohlwollen sich die deutschen Kolonialherren sichern wollten. Auch den Namen des stellvertretenden Vorsitzenden, Hermann Kini Apaloo, überliefert das togolesische Nationalarchiv, gemeinsam mit den Namen der 17 Spieler, die in der Gründungsakte der „Concordia“ verzeichnet sind.
„Nun gab es also einen Fußballverein“, schmunzelt Helmut Fohs, denn genau an dieser Stelle lag ein ernstes Problem für die togolesischen Ur-Kicker. Fohs: „Der erste und einzige Fußballclub des Landes hatte keinen Gegner.“ Die Lösung war – so der Honorarkonsul - eben so einfach wie landestypisch. Die „Concordia“ teilte sich in zwei Mannschaften. Künftig kickte die „Abteilung Deutsch“ gegen die „Abteilung Englisch“ und umgekehrt.
Einheitlich war bei den Spielern beider Mannschaften die Hautfarbe. Helmut Fohs: „Die deutschen Kolonialherren trieben eine strikte Politik der Apartheit und das galt auch für die Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung. Während der Cricket-Club, Tennisplätze und der „Pferdesportliche Verein“ nur für Menschen weißer Hautfarbe zugänglich waren, lebte der togolesische Fußball von dem Engagement und der Spielfreude der schwarzen Mehrheit im Land. Welche Begeisterung die Togolesen für „ihren“ Sport empfanden, belegt das Dankesschreiben der Schüler eines Lehramtsseminars an den deutschen Bezirksamtmann Gruner. Dieser hatte den angehenden Lehrern einen ledernen Fußball organisiert. In ihrem Brief aus dem Jahr 1910 beschreiben die jungen Männer ihre „große, unbeschreibliche Freude“, die ihnen der Beamte mit seinem Geschenk gemacht hatte.
„Diese Freude hat sich bis heute erhalten“, sagt Helmut Fohs, der sicher ist, dass die Fußballbegeisterung der ehemaligen Kolonial-Kicker und ihrer Fans während der Weltmeisterschaft 2006 einen positiven Eindruck, auch auf das deutsche Publikum machen wird. „Togo ist für manchen deutschen Politiker ein ungeliebtes Erbe“, sagt der Honorarkonsul: „Die WM 2006 wird zeigen, dass die Togolesen ein weltoffenes, herzliches und modernes Volk sind, das uns in echter Freundschaft begegnen möchte. Ich wünsche mir, dass wir die Gelegenheit nutzen, die ausgestreckte Hand als Partner zu ergreifen.“
Bearbeitet von: Cornelius Bischoff - Quelle: Das Textbüro - Red. Landschau | Seite drucken Fenster schließen | | |
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