| *** Aktuelle Nachrichten aus dem DIAKOnetz *** | Reingefallen: Deutsche Rettungsflugwacht e.V. warnt vor falschen Piloten an der Krankenhaustür Der Mann vor der Krankenhaustür sieht aus wie ein Pilot. Der Draht eines Ohrhörers tut ein Übriges, um die Besucher von den redlichen Absichten des “Fliegerhelden” zu überzeugen, der seinen Zuhörern Fotos von dramatischen Rettungseinsätzen präsentiert. “Tatsächlich kann keiner der Angesprochenen etwas dagegen sagen, wenn der Mann, der aussieht, als wäre er eben aus einem Rettungshubschrauber gestiegen, erklärt, wie wichtig die Erstversorgung von Unfallopfern aus der Luft ist”, sagt Victor Felber. Der Bereichsleiter Kommunikation der Deutsche Rettungsflugwacht e.V. (DRF) ergänzt: „Aber natürlich erwähnt der getarnte Verkäufer mit keiner Silbe, dass seine Organisation - der “Internationale RettungsFlug e.V.” (IRF) - weder über eigene Hubschrauber noch über eigene Flugzeuge zum Krankentransport verfügt.“ Erst jüngst haben die Richter der 36. Kammer des Stuttgarter Landgerichts die verkleideten IRF-Hausierer verurteilt, “ (...) es zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr, (... ) den Eindruck zu erwecken, als führe er (der IRF-Verein) selbst mit eigenem Material und Personal Rettungsflüge, Ambulanzflüge o. ä. durch, (...)”. (Geschäftsnummer 36 O 60/04 vom 3. März 2005) Verzichte der Verein nicht auf die irreführenden Bezeichnungen und Verkleidungen, droht eine Strafe von 250.000 Euro.
An dem Erfolg der Maßnahme zweifelt Victor Felber. Neben der geschilderten Maskerade gehöre es zu den Tricks der nachgemachten Aeronauten, Krankenhäuser mit Sachspenden zu ködern, um so Einzug in die regionalen Medien zu halten. Das jüngste Beispiel eines solchen Schachzugs sei die Übergabe zweier älterer VW-Busse an einen Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes im nördlichen Schwarzwald. Felber: “Sobald das Foto mit den als Piloten verkleideten Spendern in der Zeitung steht, setzen sich die IRF-Hausierer in Marsch.” An der Haustür präsentierten diese ihre Informationen über den Sinn von luftgestützten Rettungseinheiten. Ist der Angesprochene überzeugt, unterschreibt er den IRF-Mitgliedsantrag und kaufe damit eine so genannte Reise-Rückhol-Versicherung.
„Mit Luftrettung hat das Ganze gar nichts zu tun”, sagt Victor Felber, „aber für den Verbraucher ist es praktisch unmöglich, das angebotene Geflecht von Halbwahrheiten zu durchschauen.” So werde den Kunden geschickt der Gedanke nahegelegt, man müsse sich absichern, um nach einem Unfall oder bei einer akuten Erkrankung in Deutschland durch Rettungshubschrauber versorgt zu werden. Tatsächlich ist der Einsatz von Helikoptern, um Notärzte und Rettungsassistenten auf schnellstem Weg zu ihren Einsatzorten zu bringen, eine selbstverständliche Dienstleistung des deutschen Rettungswesens. Felber: „Ob ein Krankenwagen oder der Hubschrauber alarmiert wird, entscheidet die Rettungsleitstelle.“ Als reine Verkaufsorganisation habe der IRF-Verein weder eigene Hubschrauber noch Ambulanzflugzeuge oder eine Notrufzentrale, sagt Victor Felber. Diese Einschätzung bestätigt das Urteil der Stuttgarter Richter. Dem IRF-Verein gehe es vor allem um den Verkauf von Versicherungen.
Nach Auskunft Felbers sei es fatal, dass sich die Maskerade der IRF-Drücker auch negativ auf die Mitgliederwerbung der Deutsche Rettungsflugwacht auswirkt. Wie viele andere seriöse Hilfsorganisationen ist auch die DRF auf ihre Öffentlichkeitsarbeit an der Haustür angewiesen. Felber: “Wir brauchen die Unterstützung von Fördermitgliedern, um Hubschrauber und Flugzeuge in Stand zu halten. Das Angebot, dass wir unsere Fördermitglieder bei medizinischer Notwendigkeit aus dem Ausland nach Hause transportieren, hat nichts mit dem Zweck einer Fördermitgliedschaft zu tun. Fördermitglieder wollen uns bei dem Unterhalt unserer Hubschrauberettung in Deutschland unterstützen. Zum Dank erhalten Sie die Sicherheit einer kostenlosen Auslands-Rückholung im Notfall.”
Unterdessen steht der Mann in der orangefarbenen Fliegerkombination noch immer im Eingangsbereich von Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen. Seine Unterlagen preisen die Zusammenarbeit des IRF mit anderen “Kameraden der Lüfte”; gemeint ist auch der Allgemeine Deutsche Automobilclub. Dort ist nichts von dieser angeblichen Partnerschaft bekannt. “Wir haben mit diesem Verein nichts zu tun”, sagte ADAC-Sprecher Jürgen Grieving und verspricht: “Wir werden uns erkundigen, wie die IRF zu solchen Behauptungen kommt und behalten uns weitere Schritte vor”. Wer mehr wissen möchte bekommt weitere Informationen, auch auf den Internetseiten der Deutsche Rettungsflugwacht und unter der Telefon-Nummer (0711) 7007-2211.
Bearbeitet von: Cornelius Bischoff - Quelle: Das Textbüro - Red. Landschau | Seite drucken Fenster schließen | | |
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