| *** Aktuelle Nachrichten aus dem DIAKOnetz *** | Glosse Völlig losgelöst: Rechtschreib-Rat meldet neuen Geniestreich im Elfenbeinturm von Cornelius Bischoff
Dass in größerem Umfang zusammenkommt, was zusammengehört, darauf haben sich die Experten des so genannten Rechtschreib–Rates in Mannheim geeinigt. Tatsächlich war, mit der anhaltenden Diskussion um die aktuellen Rechtschreibregeln, ein Abwärtsgleiten (bislang getrennt) in der Motivation von Schülern, Lehrer und Journalisten unübersehbar. Nun verständigten sich die Fachleute, wenigstens im Blick auf Fragen der Getrennt- und Zusammenschreibung, darauf zu achten, denn Sinn der Schriftsprache nicht vollends und wie ursprünglich vorgesehen, auf dem Altar von blindem Aktionismus und pädagogischem Übereifer zu opfern.
Wenn die neue Rechtschreibung am 1. August für die meisten Behörden und Schulen in Kraft tritt wird ein Teil der Worte, deren willkürliches Auseinanderreißen bislang für einen völlig neuen (Un-)Sinn gesorgt hatte, in überlieferter Eintracht in die reformierte (Schrift-)Sprache eingehen. Beispiele sind neben „abwärtsgleiten“, auch „rückwärtsfahren“, „leidtun“ oder „eislaufen“. Unsicher scheinen die „Fachleute“ im Blick auf „kennen lernen“, ein – besser zwei – Wort(e), die – neben zahlreichen anderen – die Ausnahme von der reformierten Regel bleiben dürften. Getrennt- oder Zusammenschreibung sind in diesen Fällen auch künftig der Vorliebe des jeweiligen Autors überlassen. Dass die weiterhin bestehenden Unsicherheiten in den Augen der so genannten Fachleute kaum geeignet sind, Zweifel am Sinn ihres Treibens zu wecken, bestätigt der (Rechtschreib-)Ratsvorsitzende und frühere bayerische Kultusminister Hans Zehetmair in einem Pressegespräch: Die aktuelle Reform der Regeln zur Getrennt– und Zusammenschreibung sei der Versuch, die Schriftsprache wieder stärker am Gebrauch der Menschen zu orientieren. Danke, Herr Zehetmair.
Bearbeitet von: Cornelius Bischoff - Quelle: Das Textbüro - Red. Landschau | Seite drucken Fenster schließen | | |
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