| *** Nachrichten aus dem DIAKOnetz *** | Kommentar Und bist du nicht willig: Computerspiele-Industrie setzt auf Gewalt gegen Frauen zum Fest von Cornelius Bischoff
Dass Geld nicht stinkt ist eine Erkenntnis, die schon der spätere Kaiser Titus von seinem Papa lernen durfte, nachdem dieser, um das Jahr 70 n. Chr., eine Gebühr für die Benutzung der öffentlichen Toiletten eingeführt hatte. Dass dieser Lehrsatz seine Gültigkeit bis zum heutigen Tag behalten hat bestätigen zahlreiche Computerspiele, die ihren meist jugendlichen Nutzern ein überaus fragwürdiges Bild von den Zusammenhängen in der modernen Gesellschaft vermitteln.
Schon vor Jahren bestach die Klinik-Simulation „BING!“ vor allem durch kurvenreiche - und natürlich per Mausklick ausziehbare - Krankenschwestern. Später versetzte „Lula“ den Spieler in die Rolle eines gestrandeten Kleinkriminellen, dessen Aufgabe es war, sich, dank tätiger Mithilfe der genannten Dame, zum König eines eigenen Porno-Imperiums aufzuschwingen. „Sexismus“, wetterten Sittenwächter wie Feministin und ahnten nicht, welche Bescherung die Spieleindustrie pubertierenden Jugendlichen und Computervoyeuren im Jahr 2004 unter den Christbaum legen würde. Pünktlich zum Weihnachtsfest wird die sexuelle Ausbeutung von Frauen auch für 16-Jährige zur gewöhnbaren Monitor-Realität. Eingeschlossen ist die Prügel vom Zuhälter, wenn die Kasse nicht stimmt.
„Realitätsnah“, sagen die einen. „Schwarze Schafe“, die anderen. Stimmt nicht! Bei genauem Hinsehen bedienen immer mehr Spiele das Klischee vom ängstlichen Lustobjekt, der leicht bekleideten Kämpferin, der langbeinigen Agentin. Alle springen, stöhnen, schreien auf Knopfdruck. Und stellte sich schon bei den so genannten Ego-Shootern - Spiele, deren Anhänger sich aus der Ich-Perspektive auf die Jagd nach „lebenden“ Zielen begeben - die Frage, welche Auswirkungen stundenlanges „Zocken“ auf das Alltagsverhalten der Fangemeinde haben würde, ist der Lerneffekt dieser neuen Gruppe von Simulationen alarmierend: Frauen als willfährige Dummchen und Objekte unbefriedigter männlicher Gier. Natürlich werden diese „Spiele“ gekauft, dennoch sind die Entwickler auf dem besten Weg zu Vorreitern zu werden, für einen neuen Sexismus und ein gefährliches Weltbild in den Köpfen einer ganzen Generation künftiger Väter, Onkel und Nachbarn.
Bearbeitet von: Cornelius Bischoff - Quelle: Das Textbüro - Red. Landschau | Seite drucken Fenster schließen | | |
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