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Der Gastkommentar:
 

Neues vom Wasserläufer: BILD-Bibel schreibt die wahre Geschichte
des Jesus aus N.

von Benjamin Becker
(BenderBaer.de.vu)

Nun ist es also geschehen; die Macher der BILD-Zeitung haben das Buch der Bücher entdeckt. Natürlich für alle. Natürlich für 9,95 €. Eine richtige Volksbibel also, eingeleitet durch Grußworte von Kardinal Lehmann, Bischof Dr. Wolfgang Huber und Kai Diekmann. Moment mal? Kai Diekmann, Chefredakteur der BILD-Zeitung, in einer Reihe mit den höchsten Würdenträgern der Kirche in Deutschland?

Ich finde, dass sie beinahe bildhaft ist, diese Aufzählung. Ausdruck für das Selbstverständnis der Zeitschrift mit den vier großen Buchstaben und immer treu dem Motto: „Mittendrin, statt nur dabei!“ Einen Wiederhall findet dieser Anspruch auch in der Webung des Verlags für sein jüngstes Produkt: „Ein Mann, der übers Wasser läuft“, heißt es auf den Plakaten: „Wäre es heute passiert, stünde es in BILD!“ Da wird Jesus von Nazareth plötzlich zur Sensation, gar zur vermeintlichen Titelgeschichte!

Nicht „Sohn Gottes“, keine „frohe Botschaft“. Jesus, der Mann von der Straße, ein Mensch wie du und ich - oder wie Heinz Hoenig, dessen Ehedetails sich nun endlich vor den Augen der staunenden Masse enthüllen. Oder wie Franz Beckenbauer (das war der, mit der Frau trotz der Frau) – BILD berichtete ausführlich, Gott sei Dank! Und so liegt es eigentlich auf der Hand: Wozu einen „Erlöser“, wenn Deutschlands meistgelesene Zeitung über den Mann berichtet, der über das Wasser läuft? Tauchte Jesus heute auf, so „stünde es in BILD.“ Aber vielleicht braucht die alte, „gute Nachricht“ ja tatsächlich diese Art der Vermarktung, um ihre Leser auch heute zu erreichen. Wäre es am Ende doch ein Anliegen frommer Nächstenliebe, das Kai Diekmann leitet, wenn er „seine“ Volksbibel unter eben jenes bringt? Ich zweifele daran.

Wer ein „heiliges Buch“ mit solchen Mittel zu Markte trägt, verschließt etwaigen Interessenten den Zugang zum eigentlichen Kern der Botschaft. Er enttäuscht sie vielleicht, denn Sex und Skandale präsentiert auch die neue „Volksbibel“ nicht in der verkürzenden Form der BILD-Zeitung. Hauptfigur bleibt (zumindest im Neuen Testament – quasi der Fortsetzung von Teil eins), Jesus aus Nazareth. Autoren sind Matthäus, Markus, Lukas und einige andere. Der Mann auf den Werbeplakaten aber, der gleicht ein bisschen jenem Uri Gellar, Mystik-Urgestein der 1980er Jahre, der unlängst bei Günther Jauch seine „Auferstehung“ feierte. Nun also das Comeback von Jesu Christus. Vielleicht als charmanter Taschenspieler? Eines ist jedenfalls klar: Wenn dieser Jesus tatsächlich wieder bei uns auftaucht (Offenbarung 6,1-17), so lesen wir es zuerst in der BILD.

Bearbeitet von: Cornelius Bischoff  -  Quelle: BenderBaer.de.vu
 


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