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Voll auf die Ohren: Taube Promi-Masseurin knetet den Süden der Pfalz

„Das Lied ist blöd“, sagt Anette Borhani. Natürlich weiß die junge Frau, dass Schnee lautlos auf die Erde fällt. Auch die Sache mit dem „Klopfen an der Wand“ habe Herbert Grönemeyer frei erfunden. „Das geht mit vielen Dingen so“, staunt die gelernte Masseurin: „Immer sind es die anderen, die zu wissen glauben, was gut für uns ist.“ Die „Anderen“, das sind die Normalen, Gesunden. „Wir sind doch keine Kinder“, sagt Borhani. „Wir“, das sind die Menschen, die nicht sehen, nicht sprechen oder nicht hören. Zu Letzteren gehört Anette Borhani.

Die heute 36-Jährige ist taub. Die Nervenbahnen, die ihre Ohren mit dem Gehirn verbinden, sind unterbrochen. Als Einschränkung empfindet Anette Borhani ihr mangelndes Hörvermögen nicht. Im Gegenteil. „Es ist eine Herausforderung“, sagt die Wahl-Pfälzerin, die vor rund einem Jahr den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat. Im Angebot ihrer „Mobilen Physikalischen Therapie“ sind alle Behandlungsformen, die auch niedergelassene Heilkundler anbieten. Der Unterschied: Der ambulante Massage-Dienst besucht seine Patienten zu Hause. Und: Auch die Schönen und Reichen der Welt schätzen die Dienste Anette Borhanis.

„Das war ein Zufall“, lacht die gebürtige Wolfsburgerin, die Haßloch vor rund sechs Jahren zu ihrer zweiten Heimat gewählt hat: „Das Reisefieber steckt mir im Blut.“ Nach Stationen in Argentinien und der Schweiz hatte es die quirlige Therapeutin ins englische Königreich verschlagen. Für zwei Jahre arbeitete die Wellness-Spezialistin im „Champneys“. Das Luxushotel gilt als erste Adresse für stressgeplagte Top-Manager, arabische Öl-Multis und Mitglieder des internationalen Hochadels.

„Das Erholungs-Angebot dort ist unvergleichlich“, schwärmt die Fachfrau noch heute. Borhanis Patienten-Liste auch. Ihre Massagebank teilten sich die Schriftstellerinnen Meave Binchy und Christabel Bielenberg. Borhani knetete Rick Parfitt, Mitgründer der legendären Rockgruppe „Status Quo“, massierte den Mann am Saxofon der Tina-Turner-Band und entspannte die Witwe von Edel-Mime Yul Brunner. („Die glorreichen Sieben“, „Anna und der König“, „Die zehn Gebote“)

„Die richtig Reichen kamen inkognito und mit Leibwächtern“, plaudert die Therapeutin: „Wir wurden erst informiert, wenn der Patient praktisch vor der Tür stand. Klar, dass sich die VIPs bei diesem Service von der großzügigen Seite zeigten: 600 US-Dollar-Trinkgeld seien es schon gewesen, bei der jungen Dame, die sich schließlich als Mitglied des saudischen Königshauses entpuppte. Und der Prinz von Dubai hinterließ seinen Dank in Form von Goldschmuck und Juwelen.

Zu den regelmäßigen Gästen im Champneys zählten neben „Lady Di“ auch die Lieblingstochter von Dschabir al-Ahmed al-Sabbah, seit 1977 uneingeschränkter Herrscher im Ölstaate Kuwait. Mit ihren Begleitern habe die Prinzessin ausschließlich arabisch gesprochen, erinnert sich Borhani, „wohl weil sie dachte, wir würden die Sprache nicht verstehen.“ So kam die Wüstenblume aus dem Staunen nicht heraus, als sie die schweigsame Deutsche eines Tages in der Sprache des Scheichtums begrüßte.

Ohnehin, Sprachen sind die zweite Leidenschaft der Jungunternehmerin, die neben Deutsch und Arabisch, auch Spanisch und Englisch spricht und versteht. Am liebsten aber unterhält sich Anette Borhani in ihrer „Muttersprache“, dem standardisierten Gebärdencode, der Gehörlose in allen Teilen der Welt verbindet. „Es ist echt anstrengend, mit Hörenden zu sprechen“, sagt Borhani, die sich auf internationaler Ebene für das Recht gehörloser Menschen auf Selbstbestimmung einsetzt.

Kein leichtes Unterfangen. „Schließlich können die meisten Menschen hören“, lacht die junge Frau, die darauf angewiesen ist, die Worte von den Lippen ihrer Gesprächspartner zu lesen. Das aber setzt voraus, dass diese eine möglichst akzentfreie Hochsprache beherrschen. Und so sieht Anette Borhani ihren Schritt, sich als mobile Therapeutin in der südlichen Pfalz niederzulassen, als ein weiteres Abenteuer in ihrem Leben: „Aber die Menschen sind hier so herzlich und aufgeschlossen, man muss sich in dieser Gegend einfach zu Hause fühlen.“ Interessenten bekommen weitere Informationen im Internet. Die Web-Adresse lautet:


www.mobile-therapie.com

Bearbeitet von: Cornelius Bischoff  -  Quelle: Das Textbüro - Red. Landschau
 


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