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Yo Sista: US-Jugendkultur entdeckt Jesus als neue HipHop-Ikone

„Surfen für Jesus“ markierte schon Ende der 1980er-Jahre den augenzwinkernden Aufruf, ganz gewöhnliche Alltagstätigkeiten in den Dienst des Höchsten zu stellen. Gleichzeitig markierte der Leitspruch einen – ebenfalls nicht ganz ernst gemeinten - Reibungspunkt zwischen bibeltreuen Christen und den Anhängern der so genannten Spaß-Generation. Inzwischen scheint es, als habe die „Alltag für Jesus“-Welle auch die Vereinigten Staaten von Nord Amerika erreicht. Statt „Liebe und Frieden“, zieren Aufdrucke wie „Meine Burg ist Gott“ die T-Shirts der Jugendlichen und die ungekrönten Könige der Ghetto-Musik verdienen Millionen mit frommem HipHop, der die gute Botschaft in eindringliche Worte fasst.


Einer von denen, die es geschafft haben, ist Kanye West. Der 26-jährige Musiker ersetzte die Genre-üblichen Gewaltphantasien durch eine ausgiebige Zwiesprache mit Gott und stürmte prompt die Hitparaden und das Musik-Fernsehen. Beobachter gehen davon aus, dass der plötzliche Boom christlicher Inhalte das Zurückschlagen eines Pendels markiert. Jahrelang hatte die US-amerikanische Musik- und Jugendkultur vor allem durch ihre Gewaltbereitschaft auf sich aufmerksam gemacht. Nun scheint es, als gleite die Szene in ein anderes Extrem. Der Rap-Musiker Mase – einst vor allem wegen seiner sexuellen Freizügigkeit bekannt – leitet eine eigene Kirchengemeinde und der ehedem geschlechtslose „Prince“ schärft den Sinn seiner Anhänger für Begriffe wie „Glaube“, „Prügelstrafe“ und „Moral“.


Auf Anhieb durchschaut hat diese neue Predigergeneration auf jeden Fall die vielfältigen Möglichkeiten, auch individuelle Gottesdienst-Formen in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Während Ex-Rapper Mase gar nicht daran denkt, sich von Schmuck und Juwelen zu trennen („Ist doch gut, wenn mich die Kids mit meinen Diamanten sehen und wissen, ich musste für diesen Lebensstil niemanden bedrohen.“), sieht dessen ebenfalls geläuterte Musiker-Kollege „DMX“ keinen Widerspruch zwischen christlicher Verkündigung und einem schwelenden Dauerkonflikt mit den Justizbehörden des Landes: „Ein Prediger kann dir nichts über das Abfeuern eines Gewehres erzählen, wenn er nicht selber damit geschossen hat. Wegen dem Mist, den ich gebaut habe, kann ich ganz andere Leute zu Jesus bringen." Auch unter diesem Aspekt ist es schade, dass Dennis Wilson („Beach Boys“) schon 1983 bei einem Sport-Unfall ums Leben gekommen war. Die Zeit wäre reif für ein bisschen Sommer-Musik und einen bunten Auto-Aufkleber: Ich surfe für Jesus!

Bearbeitet von:   -  Quelle: Das Textbüro - Red. Landschau
 


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