Von wegen unbegrenzt: US-Präsident schwört Kampf gegen Homo-Ehe Nicht nur im Irak scheint George W. Bush jedes Mittel recht, seinen persönlichen Vorstellungen von Freiheit und Gerechtigkeit zum Durchbruch zu helfen. Auch im eigenen Land greift der US-Präsident zu verzweifelten Mitteln, um wenigstens das Schlachtfeld der öffentlichen Moral als Sieger zu verlassen: Ein Verfassungszusatz soll das nun bestätigte Recht gleichgeschlechtlicher Paare, in einer offiziellen Ehegemeinschaft zu leben, durch die Hintertür zu Fall bringen.
Der oberste Gerichtshof der USA hatte einen Eilantrag abgelehnt, mit dem Moralisten die Schließung sogenannter Homo-Ehen im US-Bundesstaat Massachusetts verhindern wollten. Mit dieser Entscheidung sind die USA das vierte Land in dem schwule und lesbische Paare den offiziellen Bund fürs Leben schließen können.
Beobachter gehen davon aus, dass die Entscheidung des Supreme Court den schwelenden Konflikt zwischen fortschrittlichen und konservativen Kräften des Landes weiter anheizt. Letztere fordern, die Ehe in einem Verfassungszusatz als „Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau“ zu definieren. Oberster Verfechter dieser Forderung ist George W. Bush, der auf diesem Weg mit den Stimmen traditionalistischer Kreise bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen rechnen kann. Zwar ist auch der demokratische Kandidat kein Befürworter der Homo-Ehe, eine Änderung der Verfassung lehnt John Kerry jedoch offiziell ab.
Auch in der Kirche sind die Meinungen über das höchstrichterliche Urteil gespalten. Nach Presseinformationen prüfen Episkopale, Methodisten, Presbyterianer und konservative Juden in Massachusetts, mit welchen Strafen zu rechnen ist, wenn Geistliche die Trauung eines homosexuellen Paares verweigern. Das Recht für Schwule und Lesben, in offizieller Ehegemeinschaft zu leben, besteht neben den USA in Belgien, den Niederlanden und den drei bevölkerungsreichsten Provinzen Kanadas.
Bearbeitet von: - Quelle: Das Textbüro - Red. Landschau |